Alt und neu nebeneinander: Wie in dieser Visualisierung soll das Forum Herrenhäuser Markt 3.0 an der Kiepertstraße einmal aussehen. Die Fachwerkhäuser sind durch einen Zwischentrakt verbunden. Foto: EGH
21. Oktober 2026
Hannoversche Allgemeine Zeitung
40 neue Wohnungen rund um zwei alte Fachwerkhäuser
Spatenstich für das Projekt Forum Herrenhäuser Markt 3.0: Baudenkmäler werden in Einzelteilen saniert und wieder aufgebaut. Was bedeutet das für die Mieten?
Von Andrea Tratner
Den schwierigsten Part vor dem Spatenstich hatte Horst Kuhlmann mit seinem Team von der Fuhrberger Zimmerei: Nach wochenlanger Vorarbeit haben sie innerhalb weniger Tage im Frühjahr zwei denkmalgeschützte Fachwerkhäuser abgebaut. „Es war riskant, weil die Häuser durch langen Leerstand schon sehr gelitten hatten.“ Jedes Teil hat nun eine Nummer, wird saniert – und voraussichtlich 2028 wieder an Ort und Stelle aufgebaut. Als Teil des Forums Herrenhäuser Markt 3.0.
Die Wohnungsgenossenschaft Herrenhausen (WGH) steht hinter dem Bauvorhaben, für das rund 22 Millionen Euro veranschlagt sind. 40 Zwei- bis Vierzimmerwohnungen sollen entstehen, außerdem zwei Gewerbeeinheiten. Die beiden Fachwerkhäuser bildeten in der Vergangenheit ein Ensemble, nach Wiederaufbau sollen sie durch einen Zwischentrakt verbunden werden. „Es ist eines unserer Herzensprojekte in Herrenhausen. Ein Leuchtturm“, sagt WGH-Vorstandsvorsitzender Constantin Heinze.
Ein Leuchtturm, um den lange gerungen wurde. Seit 2021 ist die WGH Eigentümerin des Grundstücks, ursprünglich waren hier 51 Wohnungen geplant. „Es war ein konstruktives Ringen“, sagt Heinze in Richtung von Baudezernent Thomas Vielhaber, der zum Spatenstich gekommen war. Denn es galt, Fachwerkhäuser und den dahinterliegenden Friedhof in das städtische Erscheinungsbild zu integrieren und zu erhalten. Nach den Plänen des Architekturbüros KSW gelingt dies. Allerdings können nun nur 40 Wohnungen entstehen.
„Es geht darum, Denkmale zu nutzen und zu integrieren“, lobt Baudezernent Vielhaber, der sich nicht nur über neuen Wohnraum freut. „Die beiden Fachwerkhäuser sind prägend für den Stadtteil. Es hat viel damit zu tun, wie der Ort wahrgenommen wird.“
Spatenstich: René Böder (von links) vom BöCon, WGH-Chef Constantin Heinze, Baudezernent Thomas Vielhaber, Horst Kuhlmann von der Fuhrberger Zimmerei, KSW-Architektin Sandra Gebauer. Foto: Tim Schaarschmidt
Dafür wurden Fenster und Türen ausgebaut und gesichert, 436 Holzbalken werden aufgearbeitet. Horst Kuhlmann von der Fuhrberger Zimmerei schätzt die Kosten auf etwa 800.000 Euro. „Ich sehe das als zwei Projekte“, sagt WGH-Chef Heinze über das Forum Herrenhäuser Markt 3.0. Die Rekonstruktion der Fachwerkhäuser wäre alleine wirtschaftlich nicht umsetzbar. Aber eine Genossenschaft kann das in der Breite mittragen. Wir machen damit keine Rendite, die für Privatinvestoren interessant wäre.“
Die Durchschnittsmiete im WGH-Bestand liegt laut Heinze bei 7,70 Euro pro Quadratmeter. „Das können wir im Neubau nicht halten. Aber wir sehen uns als Teil der schwierigen Aufgabe, bezahlbares Wohnen möglich zu machen.“ Die Marktmiete liege im Quartier bei 14 Euro. „Wir visieren eine Spanne von 12,50 bis 13,75 Euro an.“
Langer Leerstand: Die beiden Fachwerkhäuser an der Herrenhäuser Straße stehen unter Denkmalschutz – inzwischen wurden sie abgebaut. Foto: Timo Naumann
Dafür bietet der dritte Forums-Bauabschnitt Effizienzhaus-55-Standard, eine PV-Anlage für Nutzerstrom, Fahrradkeller mit Fahrradaufzug, Sand- und Spielflächen für Kinder im Innenhof. Für die Wohnungen sind unterschiedliche Terrassen, Balkone und Winterwohngärten geplant. Für zwei Gewerbeflächen sind ein Stadtteilcafé und verschiedene Beratungsangebote vorgesehen. Im Sommer 2028 soll alles fertig sein.
Der erste Gebäudekomplex des Forums Herrenhäuser Markt wurde im November 2013 fertiggestellt und eröffnet. Für das Projekt 2.0 wurde ein 70 Jahre alter Hochbunker abgerissen. Der auf dem Gelände entstandene Komplex verbindet Wohnen, Gewerbe, Gastronomie und Dienstleistungen – er wurde Ende 2016 eingeweiht.
Der letzte Schritt ist nun der Bauabschnitt an der Ecke Herrenhäuser Straße/Kiepertstraße. „Die alten Fachwerkhäuser bleiben im Gedächtnis. Das Projekt strahlt über Hannover hinaus“, verspricht Bürgermeister Thomas Klapproth (CDU) beim Spatenstich.