Fuhrberger Zimmerei - seit 1994

22. Juni 2022
Hannoverschen Allgemeinen Zeitung

Lagern statt warten – Fuhrberger Zimmerei denkt um

Auf Fachwerkhäüser spezialisierter Betrieb hat sich auf hohe Holzpreise und lange Lieferzeiten eingestellt – und muss im Ernstfall improvisieren

Von Max Baumgart

Fuhrberg. Der Preis für Holz ist in den vergangen anderthalb Jahren massiv gestiegen. Davon betroffen ist auch die traditionsreiche Fuhrberger Zimmerrei. Doch nicht nur das macht Geschäftsführer Christian Zeymer Sorgen: Wegen Lieferengpässen verzögern sich viele Bauvorhaben, weil das Material fehlt. Deshalb hat die Zimmerei ihr Lagerkonzept umgestellt.

Nach eigenen Angaben errichtet die Zimmerei 20 bis 25 Häuser im Jahr. Spezialisiert hat sie sich dabei auf Fachwerkhäuser – und deren Bau braucht eine Menge Holz. Im Jahr 2021 war der Preis angesichts des wetlweiten Mangels infolge der Pandemie zwischenzeitlich um mehr als 300  Prozent gestiegen. Hinzu kamen Lieferengpässe: „Brauchte ein Lieferant bislang nur drei Wochen für die Lieferung, so konnte es auf einmal ein halbes Jahr dauern“, berichtet Zeymer, der den Betrieb mit zwei Kollegen führt.

„Brauchte ein Lieferant bisher nur drei Wochen für die Lieferung, so konnte es auf einmal ein halbes Jahr dauern“: Geschäftsführer Christian Zeymer setzt auf vorausschauende Lagerhaltung. Foto: Max Baumgart 

Preisanstieg und Verzögerung

Dadurch verschoben sich auch manche Aufträge der Zimmerei, nach Zeymers Angaben waren 15 Baustellen von Preisanstiegen und Verzögerungen betroffen. Doch größeren Zeitverzug konnte der Betrieb durch vorausschauendes Handeln abfragen: Um nicht die Verträge mit den Bauherren kündigen zu müssen, hätten sie die just-in-time-Lieferung durch vorausschauende Lagerhaltung ersetzt. Die Materialien für fünf Häuser hätten sie noch schnell eingekauft, als sich der extreme Preisanstieg andeutete, berichtet Zeymer. „So hatten wir die Gewissheit, dass Material da ist, wenn die Mitarbeiter morgens zur Arbeit kommen.“

Das Konzept hat der Betrieb aufrechterhalten. Denn die Preiskalkulation von gestern kann heute schon nicht mehr tragfähig für die Zimmerei sein. Ist ein Vertrag vereinbart, bestellt der Betrieb direkt alle Materialien und lagert sie ein, um nicht von steigenden Preisen überrascht zu werden.

Manchmal behalf sich der Betrieb auch mit anderen Lösungen: So hätten die Fuhrberger mit manchen Bauherren vereinbart, zum Beispiel Eichen- statt Fichtenholz zu nutzen – je nachdem, was gerade da war.

Holzkunst: Ein Eichhörnchen aus Holz, das Logo der Fuhrberger Zimmerei, wacht vor dem Parkplatz des Geländes. Foto: Max Baumgart 

Aufträge bis Mitte 2023

Immerhin fällt der Holzpreis wieder. Das er aber auf das Vorkrisenniveau sinken wird, damit rechnet Zeymer nicht. Vielmehr werde er sich auf der aktuellen Höhe einpendeln. Das heißt grundsätzlich aber auch: „Die Lage ist zum Bauen ungünstiger geworden, wenn man sich dafür Geld leihen muss“, sagt er. Aufgrund der Preisschwankungen müsse man höhere Kredite aufnehmen, dazu kämen die steigenden Zinsen. Doch sollte ein Großteil des benötigten Geldes auf dem Konto liegen, sei es jetzt eine gute Idee, in eine Immobilie zu investieren. „Mit der Inflation geht auch die Kaufkraft des Geldes verloren“, sagt Zeymer – und anscheinend gibt es genug Menschen, die genauso denken. Denn die Fuhrberger Zimmerei ist bis Mitte 2023 mit Aufträgen ausgelastet.

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