Fuhrberger Zimmerei - seit 1994

28. Mai 2022
Rotenburger Kreiszeitung

Fachwerk-Idylle im Neubaugebiet

Historische Bauweise gilt als besonders nachhaltig

Von Mia Bucher

Sehnde – In vielen niedersächsischen Städten schmücken traditionelle Fachwerkhäuser die Ortskerne. Die Holzhäuser mit ihren dicken Balken und spitzen Dächern sind teilweise Jahrhunderte alt. Aber auch heute noch wird Fachwerk gebaut. „Anno 2021“ steht über der Haustür der Familie Merz. Dieses Frühjahr hat das Ehepaar ihr neu gebautes Fachwerkhaus bezogen. Es steht in Rethmar, einem Ortsteil von Sehnde in der Region Hannover. Für Thiemo Merz war schon immer klar: „Wenn’s irgendwie geht, möchte ich Fachwerk bauen.“

Das Grundstück des Ehepaars ist Teil eines besonderen Bauprojekts. In dem kleinen Neubaugebiet dürfen ausschließlich Fachwerkhäuser gebaut werden. „Es ist sicherlich eine seltene Idee, die nicht kommerziell getrieben ist“, sagt Jens von Wackerbarth, Verkäufer der Grundstücke und Projektentwickler. Seine Familie besitzt das Schloss Rethmar, zu dem mehrere historische Gebäude sowie eine ehemalige Pferdekoppel gehören, auf der nun 15 Fachwerkhäuser gebaut werden. Viele hätte der Idee vom Fachwerkdorf zu Beginn skeptisch gegenüber gestanden, sagt von Wackerbarth. Der 57-jährige hielt dagegen: „Es ging nicht ums Geschäft, sondern da ging´s wirklich um Gestaltung, um Ortsgestaltung.“ Die Nachfrage sei groß gewesen, er hätte doppelt so viele Grundstücke verkaufen können.

Jedes Jahr entstehen in Deutschland bis zu 200 Fachwerkneubauten. Etwa zwei Drittel davon werden in Niedersachsen gebaut, berichtet Manfred Gerner, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstädte. Einen Fachwerk-Trend gebe es aber nicht. „Die wesentlichen Hinderungsgründe sind die Bauvorschriften zur Brandsicherheit.“

Vor ihrem neuen Fachwerkhaus stehen Denise und Thiemo Merz in Sende-Rethmar in der Region Hannover. Foto: DPA 

Thiemo und Denise Merz sind von ihrem neuen Eigenheim begeistert. „Es hat so einen gewissen Charme“, sagt die 28-jährige. Nach rund sieben Monaten Bauzeit zog das Paar im März in das fertige Haus ein. Ein Schriftzug mit den Worten „Lebe, liebe, lache und sei glücklich“ ist in den Holzbalken oberhalb der Eingangstür eingelassen. Das Fachwerkgerüst besteht aus hellem Eichenholz und ist mit hellbraunen und beigefarbenen Klinkern ausgemauert. Der Innenbereich – also unter anderem die Deckenbalken und der Dachstuhl – ist aus Nadelholz. Das Ehepaar fühlt sich auf den 210 Quadratmetern Wohnfläche wohl. „Es war direkt so ein Ankommen irgendwie“, schwärmt Denise Merz. Unter den Hausbesitzern sei bereits eine Gemeinschaft entstanden – das Fachwerk verbinde. In einer Chat-Gruppe tausche man sich regelmäßig aus und denke bereits über einen kleinen Weihnachtsmarkt oder ein Straßenfest nach.

„Wenn sie (die Fachwerke) gepflegt werden, dann können sie gut auch 1000 Jahre alt werden.“ Manfred Gerner, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstädte

Fachwerk gilt als besonders langlebig. Gerner zufolge sind die meisten Fachwerke in Deutschland mehr als 500 Jahre alt. Die ältesten noch bestehenden seien sogar Mitte des 13. Jahrhunderts gebaut worden. „Wenn sie gepflegt werden, dann können sie auch gut 1000 Jahre alt werden.“ Rund 2,5 Millionen historische Fachwerkgebäude gibt es seinem Verband zufolge noch in Deutschland.

Frank Töllner und seine Kollegen sorgen dafür, dass es jährlich ein paar Häuser mehr werden. Der Zimmermann ist einer der Geschäftsführer der auf Fachwerkbau spezialisierten „Fuhrberger Zimmerei“, die in Rethmar für die Errichtung von vier Häuser verantwortlich ist. „Unser Fuhrberger Fachwerk ist ein selbst tragendes Fachwerk und immer ein Unikat. Wir verwenden kein tragendes Mauerwerk, keine Betonringanker, keine kalten Stahlbetondecken“, sagt er. Neben dem Fachwerkbau seien auch jede einzelne Zapfenverbindung, jeder Nagel aus Holz. Für ein Haus mit einer Wohnfläche von 160 Quadratmetern benötige man rund 50 bis 60 Kubikmeter Holz. Der Bau für ein schlüsselfertiges Gebäude dieser Größe koste etwa 489.000 Euro.

Der Bau von Holzhäusern ist laut Töllner besonders nachhaltig, da zum Beispiel weniger Energie verbraucht werde, um die Baustoffe herzustellen. Vor allem für junge Familien, die bauen möchten, sei das ein überzeugendes Argument. Viele Kunden schätzen aber vor allem das Exklusive und Zeitlose am Fachwerk. „Unsere Bauten sind nicht von der Stange“, sagt der 49-jährige. Trotzdem sei ihr Gewerk immer noch eine Nische. Pro Jahr baue Fuhrberger 20 bis 25 Fachwerkhäuser.

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Das Interview mit unserem Geschäftsführer Frank Töllner, finden Sie auch in nachfolgenden Veröffentlichungen

[Kreiszeitung.de]

[Schaumburger Nachrichten]

[Hannoversche Allgemeine]

[Süddeutsche Zeitung]